HFA-Sitzung vom 2.10.2019

Leider kann ich an dieser stelle nicht auf die Tagesordnung verweisen, denn seit der Neugestaltung der Quedlinburger Webseite ist für die Öffentlichkeit das gesamte Ratsinformationssystem nicht mehr zu sehen. Ein Fehler, der hoffentlich bald behoben wird!

Update vom 9.10.19: Der Link zum Ratsinformationssystem scheint wieder zu funktionieren.

Der interessanteste Teil der Sitzung war aus meiner Sicht die Diskussion zur Vorlage BV-HFAQ/024/19 – „Aufhebung des Einstellungsstopps für die Einstellung einer/eines Mitarbeiterin/Mitarbeiters „Wirtschaftsförderung/Citymanagement“ zum 01.01.2020„.

Wie der Begründung der Beschlussvorlage zu entnehmen ist, soll die neue Stelle für folgende Aufgaben eingerichtet werden:

  • Strategische Aufgaben
    • Übergreifende Kommunikation und Projektkoordination
    • Beratung in den Bereichen Digitalisierung, Soziale Medien und Projektsteuerung
    • Pressearbeit
  • Fachaufgaben
    • Citymanagement
    • Immobilienbetreuung und –entwicklung
    • Bestandspflege Innenstadt
    • Fall- und Investitionsmanagement (City)
    • Standortmarketing und –entwicklung
    • Fachkräfteentwicklung
    • Tourismus
  • Netzwerktätigkeit
    • Veranstaltungsmanagement
    • Digitalisierung der Unternehmenskommunikation, Aufbau Unternehmensdatenbank

Die personelle Verstärkung des Bereiches der Wirtschaftsförderung begrüssten alle HFA-Mitglieder grundsätzlich. Allerdings wurde von mehreren Stadträten nachgefragt, wie die neue Stelle finanziert werden soll. Die Stadtverwaltung erläuterte, dass im aktuellen Stellenplan der Stadt Geld aus unbesetzten Stellen verfügbar sei, und man nicht davon ausgeht, dass insgesamt mehr Geld für Personal im Haushalt erforderlich sei.
Wir werden dem bei der bevorstehenden Diskussion zum Haushalt 2020 auf den Grund gehen. Angesichts bereits für die Arbeiten am Schlossberg neu eingestellter Mitarbeiter warnte Stadtrat Christian Schickert (SPD) davor, ein zu hohes finanzielles Risiko einzugehen.

Auf meine Nachfrage nach einem Konzept zum „City-Management“ antwortete der Wirtschaftsförderer Herr Rode leider nur allgemein und ausweichend. Ein Konzept liegt also offensichtlich nicht vor. Dieses soll die neue Mitarbeiterin, deren Einstellung im anschließenden nicht öffentlichen Teil der Sitzung beschlossen wurde, entwickeln.

Aus meiner Sicht eine nicht sehr professionelle Vorgehensweise. Man stellt eine neue Mitarbeiterin (fest) ein, und hofft dann, dass sie für ihren eigenen Aufgabenbereich ein Konzept entwickelt. Irgendwie zäumt man hier ein Pferd von hinten auf.

Wir, das Bürgerforum Quedlinburg, werden an dem Thema dranbleiben, die Stadtverwaltung unterstützen und wenn notwendig drängen, ein erfolgversprechendes Konzept für die Entwicklung der Quedlinburger Innenstadt mit ihrer kleinteiligen Struktur zu entwickeln und vor allem auch tatkräftig umzusetzen. Angesichts der leerstehenden Geschäfte müssen wir etwas unternehmen, um unseren Händlern, Gastronomen und weiteren Unternehmern zu helfen, die Innenstadt langfristig zu einem einmaligen und attraktiven Erlebnis für Quedlinburger und ihre Gäste zu machen.
Ich vermute, dass wir große Teile des sogenannten „Einzelhandelskonzeptes“, welches im Zusammenhang mit dem Welterbemanagementplan von „Beratern“ entwickelt wurde, „in die Tonne hauen“ können, denn es enthält nichts als 0815-Aussagen, die jeder Stadt angeboten werden. Die Empfehlung, sogenannte große Filialisten in die Stadt zu ziehen und die Geschäftsflächen zu vergrößern, ist für die Quedlinburger Innenstadt überwiegend falsch, denn sie führt überall nur zu uniformen und völlig gesichtslosen Einkaufsstraßen in beliebigen Städten. Und das Wichtigste: Quedlinburg ist dafür viel zu klein, wie wir am schnellen Rückzug von DM in der Steinbrücke gesehen haben.
Was Quedlinburg braucht, sind vor allem inhabergeführte Unternehmen, die aus einer Mischung aus Tradition, Originalität und Innovation die Einmaligkeit und Vielfalt der Innenstadt repräsentieren. Und diese können nur dann bestehen und florieren, wenn sie tatkräftig von engagierten Mitarbeitern der Stadtverwaltung unterstützt und ihnen von diesen maximal die Wege geebnet werden. Den Verwaltungsmitarbeitern muss klarer werden, dass genau diese Unternehmen ihre Arbeitsplätze finanzieren.

Letztendlich wurde der Vorlage zugestimmt – in der Hoffnung, dass die neue Mitarbeiterin der Aufgabe gewachsen ist, und sie nicht im allgemeinen Geschehen der althergebrachten Wirtschaftsförderung untergeht, wo man bisher leider immer noch von Industriegebieten träumt – einer Strategie des letzten Jahrtausends.
Auch wenn wir in Quedlinburg sehr vom Mittelalter profitieren, so sollte doch die wirtschaftliche Strategie der Stadt endlich in der Zukunft ankommen und nicht auch den Fehler begehen, den große Teile der deutschen Wirtschaftspolitik gerade begeht, indem sie nahezu alle Zeichen der Zeit verkennt und weltweit mehr und mehr ins Abseits gerät.

Hoffen wir also das Beste!

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