Will Quedlinburg seine Gäste im „Festjahr“ tatsächlich mit einem Blick in das blanke Grauen begrüßen?

Herr Oberbürgermeister: Bitte erklären Sie das den Quedlinburgern und ihren Gästen!

Eigentlich sprechen die folgenden Bilder des Quedlinburger Bahnhofs für sich …

(Fotos: S. Kecke)

… trotzdem halte ich ein paar Anmerkungen für angebracht.

Zur Erinnerung:

  • Als 2014 die Quedlinburger Bahnhofsgebäude von einem Schweizer Immobilienfond zum Verkauf angeboten wurden, hat das Bürgerforum vorgeschlagen, dass die Stadt diese einmalige Gelegenheit nutzen und sie über die WoWi kaufen solle, um das weitere Geschehen in die eigene Hand zu nehmen. Lesen Sie hier.
  • Wie so oft wurden die Stadträte des Bürgerforums von Verwaltung und großen Teilen des Rates als Spinner verlacht. Und natürlich wurde der Bahnhof nicht gekauft.
  • Wie wir inzwischen alle feststellen müssen, hat der Käufer, ein Privatinvestor, die Gebäude während der vergangenen Jahre weiter verfallen lassen. Warum er seine auch in der MZ beschriebenen Pläne nicht umsetzen konnte wissen wir leider nicht.
  • Wir wissen aber, dass für die eigentlichen Bahnanlagen, also den Bahnsteig 1, die Tunnelanlage, den fehlenden Aufzug, eine Toilettenanlage sowie eine Gepäckaufbewahrung, die Deutsche Bahn AG zuständig ist. Diese verschiebt die Sanierung erfolgreich Jahr für Jahr.
  • Wir fragen uns immer noch, warum die Stadt Quedlinburg keinen Gebrauch von der 80%-Förderung zur Sanierung von Bahnhöfen gemacht hat. Lesen Sie hier.

Nun kann man es sich leicht machen und mit den Fingern auf die beiden Eigentümer der Gebäude und der Bahnanlagen zeigen. Die „Zuständigkeiten“ sind geklärt und die Stadt ist fein raus.

Das ist aber keinesfalls das, was wir vom Oberbürgermeister der Welterbestadt Quedlinburg erwarten und womit wir uns zufrieden geben.
Der Oberbürgermeister hat die Pflicht, sich um alles zu kümmern, was Quedlinburg betrifft. Erst recht um das Eingangstor zur Welterbestadt. Wenn ihm hier als Verwaltungschef zuständigkeitshalber die Hände gebunden sind, so erwarten wir, dass er politisch Einfluss auf alle Beteiligten ausübt. Und das mit Nachdruck und bitteschön öffentlich!

Davon ist aber nichts zu spüren. Statt dessen werden wahlkampftaktische Traumprojekte, wie das Freizeitbad in der Lindenstraße, die Sanierung des Kaiserhofs sowie ein nicht benötigtes Industriegebiet in Quarmbeck durchs Dorf getrieben – ohne nachvollziehbare langfristige Finanzierung und ohne Nutzungskonzept. Kein Unternehmen würde und könnte so vorgehen ohne die Insolvenz zu riskieren.

Aber zurück zum Bahnhof.
Sein Zustand als Eingangstor für viele Besucher der Welterbestadt ist völlig unakzeptabel und verlangt sofortiges Handeln! Wenn der Eigentümer und die Bahn es jahrelang nicht hinbekommen, dann muss die Stadt eben selbst handeln oder Wege finden, die Eigentümer zum Handeln zu zwingen. Dass es geht, haben die Stadtväter in unseren Nachbarstädten gezeigt: Thale, Halberstadt, Aschersleben, … Die Liste lässt sich allein in Sachsen-Anhalt fortsetzen. Warum interessieren sich die Stadtväter nicht für die Beseitigung des Schandflecks Bahnhof? Warum ist der gesamte öffentliche Nahverkehr so unzureichend? Warum werden Millionen verschwendet, um gelbe Schilder blau anzumalen (B6n – A36)? Warum geht es immer wieder nur um den Autoverkehr? Hat man in Quedlinburg den Schuss immer noch nicht gehört, der neue Verkehrskonzepte mit einer klugen Kombination vieler Verkehrsträger längst eingeläutet hat?

Wollen wir im verschlafenen Quedlinburg weiter tatenlos zusehen, wie die Welt an uns vorbeifährt? Es gibt nicht mehr viel, worauf wir uns ausruhen und von gestern träumen können. Schauen wir endlich mit offenen Augen nach vorn! Geben wir der Zukunft und der jungen Generation endlich auch in Quedlinburg eine Chance.

Zur Kommunalwahl 2019 haben wir alle wieder die Möglichkeit, Politiker zur Rede zu stellen – oder besser neue zu wählen.
Und mit ein bisschen Glück fällt dann auch jemandem ein, wie der Quedlinburger Bahnhof zum florierenden Eingangstor zur Stadt und einem echten Schmuckstück werden kann. Ein Mut machendes Beispiel ist übrigens das Postgebäude in der Bahnhofstraße. Herzlichen Dank und Anerkennung an alle daran Beteiligten.

Zum Sachsen Anhalt-Tag 2019 können wir allen Quedlinburgern nur empfehlen, die Stadt rechtzeitig zu verlassen, um nicht in die Situation zu kommen, den Gästen den Zustand unseres Bahnhofs erklären zu müssen. Vielleicht sollten wir Flyer mit der Adresse des Rathauses auslegen …

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