Was nun? – die Zweite

Viele wissen, dass ich gerade dabei bin, in Quedlinburg einen Businessclub zu initiieren. Dass das alles andere, als eine hochtrabende elitäre „Veranstaltung“ werden soll, wird man gleich sehen und inhaltlich Näheres auch auf der Website www.oldno.de unter der Rubrik „OldNo-Club“ finden. Es geht vielmehr darum, für die Stadt eine Plattform zu finden, mit der eine Reihe von Problemen, die allenthalben beklagt werden, von der Wurzel her angegangen werden können. Selbständige können sich in unserer Stadt oft nur mühsam von ihren Einnahmen ernähren. Das ist kein Wunder, denn die einseitige Entwicklung der Stadt hat nach meinem Eindruck gerade einen Sättigungspunkt erreicht. Die Unmenge von Cafés, Bekleidungsläden und Fast-food-Angeboten muss sich logischerweise gegenseitig kannibalisieren.  „Einkaufserlebnis Innenstadt“ oder ein „City-Management“  (was immer das in der Praxis sein soll) sind deshalb in meinen Augen nur Worthülsen und verändern am Missverhältnis absolut nichts.  Tagestouristen sind in der ganzen Welt fast immer nur Beiwerk, weil davon niemand ganzjährig existieren kann. Wer nur minimale Einnahmen hat, zahlt auch wenig (oder keine) Steuern, was die Kasse der Kommune chronisch klamm hält. In „reichen“ Regionen kann dagegen jeder sehen, dass die Lebensqualität der Bürger direkt mit einer großen Bandbreite von kleinen und mittleren Unternehmen verbunden ist, denn jeder „zieht“ auch Kunden für andere und von allen kommen bis zu 75% des wesentlich höheren Steueraufkommens. Also kann nur eine weit größere Breite von geschäftlichen Angeboten Ziel für Quedlinburg sein. Und das sollte sich bei der Ausrichtung unserer Stadt derzeit erst einmal vorrangig auf witterungsunabhängige und ganzjährige Inhalte konzentrieren, die Touristen möglichst lange in der Stadt halten. Das hat dann auch ganzjährig den größeren Effekt für Zulieferungsbedarf durch andere Selbständige und löst gleichzeitig neue Gründungen – sogar im künstlerischen und kulturellen Bereich – und später auch im nicht-touristischen Bereich aus. Eine solche Entwicklung kann aber nicht von Behörden, sondern nur von den wirtschaftlichen Akteuren selbst initiiert werden, weil zuerst einmal Vorbildwirkung zum „Beruf“ des Selbständigen führt und Denkanstöße sowie Know-how nötig sind.  Die Strukturen in den „reichen“ Regionen haben sich überwiegend von innen heraus entwickelt, weil neue Ideen im Kreis der Unternehmer bewusst vorangebracht werden und neue Akteure oft aus den Familien hervorgehen. (Dabei spielt Geld übrigens die geringste Rolle, denn das ersetzt Wissen und Aufbauwillen nicht!) Es ist kein Wunder, dass dadurch der Nachwuchs am Ort bleibt und eine höhere Beschäftigungsquote mit weit kürzeren Arbeitswegen die Folgen sind. Von der individuellen Kaufkraft ganz zu schweigen. Der Club soll deshalb vor diesem Hintergrund das Ansehen der Selbständigen als Rückgrat unserer Stadt stärken und eines der Werkzeuge für positive Veränderungen in der Stadt sein.

Aber ein solcher Club ist kein Allheilmittel, denn es geht um Grundeinstellungen. Unabhängig davon kann jeder selbst etwas zu diesem Ziel beitragen. Es hat keinen Sinn, ständig zu fordern, „irgendjemand“ müsse mal irgendetwas machen oder sich selbst auf die Schulter zu klopfen, wenn man sich wieder einmal im kleinen Kreis über etwas aufgeregt hat. Stattdessen können wir für uns alle nur etwas erreichen, indem wir uns klar werden, dass Selbständigkeit schon seit den Jägern und Sammlern nichts anderes, als Arbeitsteilung ist. Und deshalb Leute jeder Altersklasse bestärken, selbst aktiv etwas zu tun und dabei „über den Tellerrand zu schauen“. Mit Vorschlägen will ich gern beitragen.

Artur Garke (Garke@euct.net)

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