Wir fordern die politischen Entscheidungsträger in Quedlinburg auf, bei den geplanten Umbaumaßnahmen am Schloss auf jegliche Verglasung des äußeren Erscheinungsbildes zu verzichten.

Wie in der online-Ausgabe der MZ am 11.05.2018 berichtet wird, haben sich nun offensichtlich nach jahrelangem Ringen Stadt und Kirche zusammengerauft, um ein gemeinsames Konzept für die künftige Präsentation von Domschatz und Schlossmuseum zu erstellen. Ein sicherlich grundsätzlich sinnvoller nächster Schritt nach dem so genannten Kombi-Ticket. 

Jahrelang wurde überwiegend hinter verschlossenen Türen in einer Arbeitsgruppe beraten – oder sollten wir lieber sagen: Gestritten. Nur durch massives Einfordern durch die damaligen  Stadträte Wolfgang Döcke und Christian Amling, „durften“ gewählte Vertreter an den Sitzungen teilnehmen. Die Fronten waren lange verhärtet. Streit über Eigentumsverhältnisse sowie Einnahmen dominierten das Geschehen. Erst nach personellen Wechseln auf Seiten der Kirche scheint es nun ein gemeinsames Ziel zu geben: Statt bisher rund 50 Tausend künftig 150 Tausend zahlende Besucher.

Abgesehen davon, dass staatliche Museen in teilweise hervorragender Qualität in vielen Ländern Europas einen aktiven Beitrag zur Bildung liefern, und deshalb kostenlos zu besichtigen sind, hat es insbesondere das Schlossmuseum in Quedlinburg mehr als nötig, mit einer zeitgemäßen und modernen Präsentation – verbunden mit einem museumspädagogischen Konzept – der Bedeutung des ehemaligen Stifts besser gerecht zu werden. Auch über die aktuelle Präsentation des so genannten Domschatzes fällt Fachleuten sicher etwas ein. Wie das allerdings ohne einen Museumsdirektor, der ein anerkannter Experte dieser Zeit sein müsste, gehen soll, bleibt vorerst ein Rätsel. Wenn die Politiker und Verwalter dieser Stadt ernsthaft an einer richtigen Aufwertung des Schlossbergs interessiert sind, dann müsste ihnen klar sein, dass es hier nicht allein um das Abgreifen von Fördermitteln, sondern damit verbunden um eine nachhaltige Finanzierung gehen muss. Und ob sich auch dafür noch eine Tochterfirma der Stadtwerke findet … ?

Aber was bitte soll der Unsinn mit der Zerstörung dieses wertvollen historischen Ensembles durch eine Verglasung und einen Glasanbau? Wer hat denn da zu viele Disney-Filme gesehen?
Sollten an dieses haarsträubende Treiben Fördermittel gebunden sein, dann kann es nur eine Antwort geben: Behaltet sie und setzt unsere (!!!) Steuern für etwas Vernünftiges ein!

Was sagen denn die Denkmalschützer dazu, oder ICOMOS? Aber wahrscheinlich sind diese „Hürden“ im Hintergrund schon genommen. An vielen anderen Stellen ist ja leider zu sehen, dass sich alles dem Diktat der „Wirtschaftlichkeit“ unterwerfen muss. Unsere Nachfahren werden sich bedanken!

Ein geschlossener Rundgang und ein zeitgemäßer Eingangsbereich lassen sich doch sicher mit Sachverstand, Fingerspitzengefühl und denkmalpflegerisch vorsichtigen Eingriffen im Inneren der Bausubstanz einrichten. Da muss und darf man doch nicht den Charakter dieses einmaligen und vollständig erhaltenen Schlosshofes zerstören.
Viel wichtiger ist das Ausstellungskonzept. Hier ist ein großer Wurf gefragt, wozu es der Expertise von echten Fachleuten bedarf. Und vor allem der nachhaltigen Betreuung durch Fachleute. Also noch einmal: Das Museum muss fachlich kompetent besetzt werden. Nur so lohnt es sich überhaupt, auch nur einen Cent in die Hand zu nehmen.

Wir werden die weitere Diskussion im Stadtrat und in den Ausschüssen sehr genau verfolgen und appellieren an alle Stadträte, sich ihrer Verantwortung für diesen Teil des Kulturerbes der Menschheit bewusst zu sein.

Nachtrag:

Wie in der Beschlussniederschrift des Haupt- und Finanzausschusses nachzulesen ist, wurde am 11.04.2018 die Aufhebung der Sperre für die Stelle eines Museumsleiters – zumindest für 3 Jahre – beschlossen. Ein Schritt in die richtige Richtung. Es gibt aber leider noch keine Informationen über seine Aufgaben im Zuge der Umsetzung des neuen Konzeptes. Vielleicht erfahren wir bald mehr?

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